Die vier Phasen der Läufigkeit: Vorbrunst, Standhitze, Nachbrunst, Ruhephase
Der Zyklus der Hündin hat vier Phasen. Zwei davon sieht man, zwei nicht. Wer die vier kennt, versteht, warum die Hündin an Tag 3 noch jeden Rüden wegbeißt und an Tag 12 selbst auf die Suche geht, und warum sechs Wochen nach der Läufigkeit plötzlich Milch kommt.
1. Vorbrunst (Proöstrus): etwa 9 Tage
Was passiert: Die Eierstöcke bilden Follikel, das Östrogen steigt. Die Gebärmutterschleimhaut wird stärker durchblutet, daher die Blutung. Die Hündin ist noch nicht fruchtbar, aber ihr Duft lockt bereits Rüden aus großer Entfernung an.
Woran du es erkennst: Die Vulva schwillt an, blutiger bis rötlicher Ausfluss, häufiges Markieren beim Spaziergang, oft schon Tage vor der Blutung, vermehrtes Lecken. Rüden werden aufmerksam, die Hündin wehrt sie ab, setzt sich oder dreht sich weg. Viele Hündinnen sind unruhig oder anhänglich.
Was du tun kannst: Den ersten Tag notieren. Ab jetzt immer anleinen, auch wo keine Leinenpflicht gilt; ruhige Zeiten und Strecken wählen; Hundewiese, Hundeschule und Hundeplatz meiden. Schutzhöschen nur drinnen und nur für die Hygiene. Täglich Blutung, Vulva und Verhalten notieren.
Zum Tierarzt bei sehr starker Blutung, Fieber, Apathie oder übel riechendem Ausfluss.
2. Standhitze (Östrus): etwa 9 Tage
Was passiert: Um den Beginn der Standhitze herum kommt der LH-Gipfel, etwa zwei Tage danach der Eisprung. Die Eizellen reifen danach noch zwei bis drei Tage und sind dann zwei bis drei Tage befruchtbar. Spermien überleben bis zu einer Woche: Ein Deckakt irgendwann in dieser Phase reicht für eine Trächtigkeit.
Woran du es erkennst: Der Ausfluss wird heller, fleischwasserfarben bis strohgelb, und weniger; die Vulva wird weicher. Die Hündin bleibt beim Rüden stehen, dreht die Rute zur Seite, präsentiert sich und wird beim Berühren über der Rute ruhig. Sie sucht aktiv Kontakt und kann weglaufen.
Was du tun kannst: Jetzt nie unbeaufsichtigt, auch nicht im eingezäunten Garten; Türen und Gartentor sichern. Rüden im Haushalt räumlich trennen, auch kastrierte können bis etwa sechs Wochen nach der Kastration noch zeugungsfähig sein. Bei Zuchtabsicht: Progesteron beim Tierarzt ab etwa Tag 5 bis 7 der Läufigkeit, gezählt ab dem ersten Blutungstag, alle zwei Tage messen. Mehr dazu unter Wann ist die Hündin fruchtbar?
Zum Tierarzt sofort nach einem ungewollten Deckakt. Es gibt Möglichkeiten, eine Trächtigkeit zu verhindern; den besten Zeitpunkt legt die Praxis fest, oft erst nach dem Ende der Standhitze. Außerdem, wenn die Duldung länger als drei Wochen anhält.
3. Nachbrunst (Metöstrus, Diöstrus): etwa 9 Wochen
Was passiert: Die Gelbkörper produzieren Progesteron, egal ob die Hündin gedeckt wurde oder nicht. Der Körper stellt sich hormonell auf eine Trächtigkeit ein. Fällt das Progesteron am Ende ab, steigt Prolaktin: So kann eine Scheinträchtigkeit entstehen.
Woran du es erkennst: Die Vulva schwillt ab, der Ausfluss wird gelblich-schleimig und versiegt. In den ersten ein bis zwei Tagen kann die Hündin noch dulden. Danach keine äußeren Zeichen mehr; manche Hündinnen sind ruhiger oder fressen mehr.
Was du tun kannst: In den ersten zwei Tagen noch vorsichtig sein, dann sind normale Spaziergänge und der Hundeplatz wieder erlaubt. Zwei bis acht Wochen nach der Läufigkeit auf Trinkmenge, Ausfluss, Fieber und Mattigkeit achten (Gebärmutterentzündung), sechs bis neun Wochen danach auf Nestbau und Milch (Scheinträchtigkeit).
Zum Tierarzt sofort bei viel Trinken und Urinieren, eitrigem oder blutigem Ausfluss, Erbrechen, Fieber, aufgeblähtem Bauch oder Apathie. Nach einem Deckakt zur Trächtigkeitskontrolle ab Tag 25.
4. Ruhephase (Anöstrus): etwa 4 Monate
Was passiert: Die Eierstöcke ruhen, die Gebärmutter regeneriert sich. Diese Phase bestimmt, wie lang der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten ist: kleine Rassen oft vier bis sechs Monate, mittlere und große etwa sechs bis acht, Riesenrassen oft nur acht bis zwölf Monate.
Woran du es erkennst: Gar nicht. Die Hündin verhält sich wie immer, Rüden zeigen kein Interesse.
Was du tun kannst: Alles. Gute Zeit für Hundeschule, Urlaub und den Tierarzt-Check. Ist eine Kastration geplant, dann jetzt: mindestens zwei bis drei Monate nach der Läufigkeit, nicht während einer Scheinträchtigkeit. Mehr dazu unter Wann kastrieren?
Zum Tierarzt, wenn die Läufigkeit deutlich länger als ein Jahr ausbleibt oder eine Hündin mit zwei Jahren noch nie läufig war.
Die Phasen im Überblick
| Phase | Dauer | Fruchtbar? | Sichtbar? |
|---|---|---|---|
| Vorbrunst | etwa 9 Tage (3 bis 17) | nein | ja: Blutung, Schwellung |
| Standhitze | etwa 9 Tage (3 bis 21) | ja | ja: heller Ausfluss, Duldung |
| Nachbrunst | etwa 9 Wochen (60 bis 90 Tage) | erste 1 bis 2 Tage | nein |
| Ruhephase | etwa 4 Monate (2 bis 10) | nein | nein |
Lunella zeigt diese vier Phasen als Ring und Balken auf der Startseite, mit dem aktuellen Tag und den Texten zu jeder Phase. Du trägst nur ein, wann die Läufigkeit beginnt, wann die Hündin steht und wann es vorbei ist.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitszeichen bitte in die Praxis.
