Scheinträchtigkeit bei der Hündin erkennen und richtig reagieren
Sechs Wochen nach der Läufigkeit trägt die Hündin plötzlich Kuscheltiere ins Körbchen, knurrt, wenn jemand näher kommt, und am Gesäuge zeigt sich Milch. Gedeckt wurde sie nie. Das ist eine Scheinträchtigkeit, und sie ist weder Einbildung noch Krankheit, sondern ein hormonelles Programm, das jede Hündin nach jeder Läufigkeit durchläuft. Nur ist es bei manchen deutlich sichtbarer als bei anderen.
Warum das passiert
Nach dem Eisprung bilden sich an den Eierstöcken Gelbkörper, die etwa zwei Monate lang Progesteron produzieren, ganz gleich, ob die Hündin trächtig ist oder nicht. Der Körper bereitet sich auf Welpen vor. Fällt das Progesteron am Ende der Nachbrunst ab, steigt Prolaktin, das Hormon für Milchbildung und Mutterverhalten. Bei der trächtigen Hündin ist das genau richtig, sie bekommt jetzt ihre Welpen. Bei der nicht trächtigen Hündin läuft dasselbe Programm ins Leere.
Das ist vermutlich ein Erbe der Wölfin: Im Rudel wurden alle Fähen gleichzeitig läufig, und die scheinträchtigen Tiere konnten die Welpen der Leitwölfin mitsäugen. Deshalb hat jede unkastrierte Hündin nach jeder Läufigkeit hormonell eine kleine Scheinträchtigkeit. Sichtbar wird sie nur bei einem Teil, bei manchen Rassen wie Dackel, Boxer, Afghane oder Dalmatiner häufiger als bei anderen.
Wann und wie lange
Typisch vier bis neun Wochen nach der Läufigkeit, meist um die sechste bis achte Woche. Dauer ein bis drei Wochen. Wer die Läufigkeit notiert hat, weiß also ziemlich genau, wann er hinschauen muss. Lunella zeigt dieses Beobachtungsfenster im Kalender an.
Woran du sie erkennst
- Nestbau: Decken zusammenschieben, im Körbchen graben, sich an dunkle Plätze zurückziehen
- Bemuttern: Kuscheltiere, Socken oder Quietschspielzeug werden ins Nest getragen, bewacht und verteidigt
- Gesäuge: geschwollen, manchmal mit Milch
- Verhalten: unruhig, jammert, frisst weniger, anhänglich oder im Gegenteil abweisend, in seltenen Fällen aggressiv gegenüber Menschen oder anderen Hunden
- Manche Hündinnen zeigen sogar Wehen-ähnliches Verhalten, als stünde die Geburt bevor
Was du tun kannst
- Spielzeug und Kuscheltiere wegräumen. Ohne „Welpen“ fällt das Mutterverhalten leichter ab. Nicht bestrafen, die Hündin kann nichts dafür.
- Viel Beschäftigung und Bewegung. Lange Spaziergänge, Nasenarbeit, Training. Das lenkt ab und nimmt dem Mutterverhalten den Raum.
- Gesäuge in Ruhe lassen. Nicht massieren, nicht ausstreichen, auch nicht „nachsehen, ob Milch kommt“. Jeder Reiz fördert die Milchbildung. Leckt die Hündin selbst ständig am Gesäuge, hilft ein Body oder ein T-Shirt.
- Futter nicht drastisch reduzieren. Eine moderate Futterreduktion über wenige Tage kann das Abklingen etwas beschleunigen, heilt die Scheinträchtigkeit aber nicht. Hungern lassen oder Wasser entziehen solltest du nur nach tierärztlicher Anweisung.
Wann zum Tierarzt
- Die Scheinträchtigkeit dauert länger als drei Wochen.
- Das Gesäuge ist heiß, hart oder schmerzhaft (Entzündung, Mastitis).
- Die Hündin frisst kaum, wirkt krank oder verhält sich aggressiv.
- Sie trinkt auffällig viel, hat Fieber oder Ausfluss. Das ist dann wahrscheinlich keine Scheinträchtigkeit, sondern eine Gebärmutterentzündung, und die ist ein Notfall.
Die Praxis kann einen Prolaktinhemmer geben, der die Milchbildung und das Verhalten innerhalb weniger Tage beendet. Bei Hündinnen, die nach jeder Läufigkeit stark scheinträchtig werden, ist eine Kastration zu erwägen. Wichtig: nicht während der Scheinträchtigkeit kastrieren, sonst kann sie Wochen bis Monate andauern. Der richtige Zeitpunkt liegt in der Ruhephase, siehe Wann kastrieren?
Wie Lunella hilft
Lunella rechnet ab dem Ende der Läufigkeit das Fenster für die Scheinträchtigkeit aus, erinnert dich an die Kontrolle und erklärt in der Phasen-Info, worauf du achten musst. In der Tagesbeobachtung kannst du Nestbau, Gesäuge und Verhalten festhalten. So siehst du bei der nächsten Läufigkeit, ob es wieder soweit kommt, und kannst früh gegensteuern.
Kurz: Scheinträchtigkeit entsteht vier bis neun Wochen nach der Läufigkeit durch den Hormonabfall und dauert ein bis drei Wochen. Spielzeug weg, viel Bewegung, Gesäuge nicht anfassen. Zum Tierarzt nach drei Wochen, bei entzündetem Gesäuge oder wenn die Hündin krank wirkt.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitszeichen bitte in die Praxis.
