Gebärmutterentzündung (Pyometra) bei der Hündin: Warnzeichen, die du kennen musst
Die Gebärmutterentzündung, tiermedizinisch Pyometra („Eitergebärmutter“), ist die gefährlichste Folge des normalen Zyklus. Sie betrifft etwa jede vierte bis fünfte unkastrierte Hündin im Laufe ihres Lebens, meist ab dem mittleren Alter, und sie kommt meist in einem bestimmten Zeitfenster: zwei bis acht Wochen nach einer Läufigkeit. Wer dieses Fenster kennt und die Zeichen, erkennt sie früh. Unbehandelt führt sie zur Blutvergiftung und zum Tod.
Warum sie entsteht
Nach jeder Läufigkeit bleibt das Progesteron rund zwei Monate hoch. Es lässt die Gebärmutterschleimhaut dicker werden und Drüsenflüssigkeit bilden, damit sich Embryonen einnisten könnten, und es dämpft gleichzeitig die Abwehr in der Gebärmutter. Mit jeder Läufigkeit wiederholt sich das, und die Schleimhaut verändert sich dauerhaft (zystische Endometriumhyperplasie). Irgendwann wandern Bakterien, meist Darmkeime wie E. coli, während der Läufigkeit durch den offenen Muttermund ein und finden ein ideales Milieu. Die Gebärmutter füllt sich mit Eiter.
Hormongaben zur Läufigkeitsunterdrückung oder Östrogen-Spritzen zum Abbruch einer Trächtigkeit erhöhen das Risiko deutlich.
Zwei Formen
- Offene Pyometra: Der Muttermund ist offen, Eiter fließt ab. Man sieht gelblichen, bräunlichen oder blutig-eitrigen, oft übel riechenden Ausfluss, die Hündin leckt sich viel. Diese Form fällt früher auf.
- Geschlossene Pyometra: Der Muttermund ist zu, der Eiter bleibt in der Gebärmutter. Kein Ausfluss, dafür wird der Bauch dicker und die Hündin schneller sehr krank. Diese Form ist gefährlicher, weil die Gebärmutter reißen kann.
Die Warnzeichen
Zwei bis acht Wochen nach der Läufigkeit auf diese Zeichen achten, einzeln oder in Kombination:
- Viel Trinken und viel Urinieren. Häufig ein frühes Zeichen, weil die Bakteriengifte die Nieren belasten.
- Ausfluss aus der Vulva, eitrig oder blutig, häufig übel riechend. Kann bei der geschlossenen Form fehlen.
- Mattigkeit, Apathie, die Hündin will nicht spazieren gehen, zieht sich zurück.
- Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall.
- Fieber (über 39,5 °C), fehlt aber bei etwa der Hälfte der Hündinnen; später manchmal auch Untertemperatur.
- Dicker, gespannter Bauch, empfindlich beim Anfassen.
- Blasses Zahnfleisch, schnelle Atmung, Kreislaufschwäche: dann ist es höchste Zeit.
Verwechslungsgefahr: Die ersten Zeichen sehen aus wie ein Magen-Darm-Infekt oder „schlechte Laune“. Der Unterschied ist das Timing. Eine unkastrierte Hündin, die ein paar Wochen nach der Läufigkeit schlapp ist und viel trinkt, hat eine Pyometra, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Was zu tun ist
Sofort in die Praxis, auch nachts oder am Wochenende. Ultraschall und Blutbild sichern die Diagnose in Minuten. Die Behandlung der Wahl ist die Operation: Gebärmutter und Eierstöcke werden entfernt, also eine Kastration unter erschwerten Bedingungen. Rechtzeitig erkannt überleben fast alle Hündinnen. Je länger gewartet wird, desto höher das Risiko durch Blutvergiftung, Nierenschäden oder eine gerissene Gebärmutter.
Eine medikamentöse Behandlung ist bei der offenen Form und bei Zuchthündinnen manchmal möglich, hat aber eine hohe Rückfallquote: Nach der nächsten Läufigkeit kommt die Pyometra oft wieder.
Vorbeugen
Die einzige sichere Vorbeugung ist die Kastration. Dabei genügt es, die Eierstöcke zu entfernen: Ohne Eierstöcke wird kein Progesteron mehr gebildet, und die Gebärmutter kann nicht mehr erkranken. Ob sie für deine Hündin sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab, siehe Wann kastrieren?. Wer sich dagegen entscheidet, sollte das Zeitfenster nach jeder Läufigkeit bewusst im Blick haben und keine Hormonpräparate zur Läufigkeitsunterdrückung einsetzen.
Wie Lunella hilft
Nach jeder eingetragenen Läufigkeit markiert Lunella das Beobachtungsfenster für die Gebärmutterentzündung im Kalender und erinnert dich vier Wochen nach dem Ende an die Kontrolle. In der Phasen-Info stehen die Warnzeichen, und in der Tagesbeobachtung kannst du Trinkmenge, Ausfluss und Allgemeinbefinden notieren, damit du in der Praxis genaue Angaben machen kannst.
Kurz: Pyometra kommt meist zwei bis acht Wochen nach der Läufigkeit, gelegentlich auch später. Viel Trinken, Mattigkeit, Erbrechen, Ausfluss oder dicker Bauch sind Alarmzeichen. Sofort in die Praxis, es ist ein Notfall, der operiert werden muss.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitszeichen bitte in die Praxis.
