Wann kastrieren? Der richtige Zeitpunkt im Zyklus der Hündin
Ob eine Hündin kastriert werden soll, ist eine Entscheidung mit vielen Seiten, und sie gehört ins Gespräch mit der Tierarztpraxis. Wann im Zyklus kastriert werden soll, ist dagegen eindeutig, und hier machen viele einen vermeidbaren Fehler: Sie lassen die Operation ansetzen, ohne zu wissen, in welcher Phase die Hündin gerade ist.
Der richtige Zeitpunkt: die Ruhephase
Die Kastration gehört in den Anöstrus, die hormonelle Ruhephase. Das ist frühestens zwei bis drei Monate nach dem Ende der Läufigkeit und endet einige Wochen vor der nächsten. Der Grund:
- Während der Läufigkeit ist die Gebärmutter stark durchblutet und vergrößert. Das Blutungsrisiko bei der Operation ist höher.
- In der Nachbrunst, den rund zwei Monaten nach der Läufigkeit, ist das Progesteron hoch. Wird jetzt kastriert, fällt es schlagartig ab, Prolaktin steigt, und die Hündin kann in eine Scheinträchtigkeit rutschen, die ohne Eierstöcke nicht mehr von selbst endet. Solche Scheinträchtigkeiten können Monate dauern.
- Während einer Scheinträchtigkeit gilt dasselbe: nicht operieren, erst abwarten, bis sie abgeklungen ist, notfalls mit Hilfe eines Prolaktinhemmers.
Bei einem Abstand von sechs Monaten zwischen zwei Läufigkeiten liegt das gute Fenster also etwa im dritten bis fünften Monat nach der letzten Läufigkeit. Lunella rechnet dieses Fenster aus den eingetragenen Läufigkeiten aus und zeigt es im Kalender an.
Vor oder nach der ersten Läufigkeit?
Hier gibt es kein Richtig für alle Hündinnen, nur Abwägungen:
Für eine frühe Kastration (vor der ersten oder nach der ersten Läufigkeit) spricht:
- Das Risiko für Gesäugetumoren steigt mit jeder Läufigkeit. In der klassischen Untersuchung hatten vor der ersten Läufigkeit kastrierte Hündinnen nur 0,5 Prozent des Risikos unkastrierter Hündinnen, nach der ersten Läufigkeit 8 Prozent, nach zwei oder mehr 26 Prozent. Bei Kastration nach dem Alter von etwa zweieinhalb Jahren war kein Schutz mehr nachweisbar. Neuere Übersichtsarbeiten halten die Datenlage für schwach, bestätigen aber die Richtung.
- Gebärmutterentzündung (Pyometra) und Scheinträchtigkeit sind ausgeschlossen.
- Keine Läufigkeit mit allen Einschränkungen, kein ungewollter Deckakt.
Für ein Abwarten spricht:
- Sexualhormone steuern das Wachstum. Bei großen Rassen, die vor Abschluss des Wachstums kastriert werden, schließen sich die Wachstumsfugen später. Das kann zu längeren Gliedmaßen und mehr Gelenkproblemen führen, etwa Kreuzbandrissen und Hüftgelenksdysplasie. Für viele große Rassen wird deshalb empfohlen, mindestens die erste Läufigkeit abzuwarten, bei einigen auch die zweite.
- Harninkontinenz tritt bei kastrierten Hündinnen häufiger auf, besonders bei großen Rassen und bei sehr früher Kastration.
- Fellveränderungen, Gewichtszunahme und bei einzelnen Rassen ein höheres Risiko für bestimmte Tumoren werden diskutiert.
- Die Persönlichkeit reift unter dem Einfluss der Hormone. Eine unsichere Junghündin kann nach der Kastration unsicher bleiben.
Für kleine Rassen fällt die Abwägung oft anders aus als für große. Lass dir in der Praxis erklären, was für deine Rasse und deine Hündin bekannt ist.
Alternativen und Irrwege
- Hormonelle Läufigkeitsunterdrückung mit Gestagen-Spritzen (progesteronähnliche Hormone) erhöht das Risiko für Pyometra und Gesäugetumoren deutlich und wird für gesunde Hündinnen nicht mehr empfohlen.
- Der Hormonchip (GnRH-Implantat), der bei Rüden üblich ist, ist für Hündinnen nicht zugelassen und löst zu Beginn oft erst eine Läufigkeit aus. Nur in Ausnahmefällen und nach tierärztlicher Beratung.
- Nur die Eierstöcke entfernen (Ovariektomie) statt Eierstöcke und Gebärmutter (Ovariohysterektomie): Beides verhindert Läufigkeit und Pyometra gleichermaßen, weil ohne Eierstöcke kein Progesteron mehr gebildet wird. Die kleinere Operation ist heute bei gesunder Gebärmutter oft Standard.
Wie Lunella hilft
Trage die Läufigkeiten ein, und Lunella zeigt dir, wann die Ruhephase beginnt und wie lange das günstige Fenster für eine Kastration dauert. Dazu warnt die App, wenn in diesem Zeitraum Zeichen einer Scheinträchtigkeit eingetragen werden. Den Bericht mit allen Daten kannst du zum Vorgespräch mitnehmen.
Kurz: Kastration in der Ruhephase, zwei bis drei Monate nach der Läufigkeit, nie währenddessen und nie in der Scheinträchtigkeit. Ob vor oder nach der ersten Läufigkeit, hängt von Rasse und Größe ab: Kleine Hündinnen eher früh, große eher nach der ersten Läufigkeit. Besprich es mit deiner Praxis.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitszeichen bitte in die Praxis.
